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Kurt Ostbahn
Blutrausch
Kriminalroman
Aufgezeichnet von Günter Brödl
Im Café Rallye brennt noch Licht. Der Wickerl, der eigentlich Lokalverbot hat, ist voll auf Speed oder Koks oder irgendeiner anderen Mischung, die ihn zur tickenden Zeitbombe macht, und auch Dr. Kurt Ostbahn gesellt sich nach dem letzten Konzert einer längeren Tournee in sein Stammcafé - auf einen überdimensionalen Fernet plus Bier.
Dann dreht der Wickerl irgendwie durch und später, als der Ostbahn heimgehen will, stört eine Blutspur den Fluss seiner kreativen Gedanken, der Wickerl liegt aufgeschlitzt auf der Gasse und die spielfreie Zeit füllt sich alsbald mit Laster, Perversion, Mord und Totschlag.
Für den großen Rest der wilden Geschichte, in der gebeutelte Junggesellen, fesche Katzen, Fetischisten, S&M-Praktiker (und -Praktikerinnen), Satanisten und ein wahnsinniger Veterinärstudent herumgeistern, gilt Ostbahns Leitsatz: "Wir, der Brödl und ich, mischen Dichtung und Wahrheit im Verhältnis 1:1. Es kann stimmen oder auch nicht."
Was grauslich beginnt, geht graulich weiter und steigert sich bis zu einem grandiosen „Blutrausch“-Finale, bei dem der Kurti den Kieberern glatt die Schau stielt. Bis es allerdings so weit ist, fließt noch der eine oder andere Liter Blut, rinnt noch das eine oder andere Krügel durch die stets durstige Kehle des Ich-Erzählers.
Leseprobe
Sie ist die größte Sensation, die je das Rallye betreten hat. Jeder der noch Anwesenden
findet das. Also der Herr Josef, der plötzlich eine Agilität und Charmanz an den Tag legt, die angesichts seines extrem harten und langen Arbeitstages ans Übermenschliche grenzt; dann der Rudi, dem beim Gläserwaschen immer wieder die Augen zufallen, der jedoch sofort wieder putzmunter ist und wie ein frischlackiertes Hutschpferd grinst, wenn die Sensation ihre sensationellen Beine übereinanderschlägt oder ihr sensationell hinreißendes Lachen hören lässt; und schließlich der Herr Doldinger aus dem Nebenhaus, ein alter Stammgast und pensionierter E-Werker, der jetzt zwar an seinem Tisch eingeschlafen ist, aber noch vor einer halben Stunde das letzte Mal ein Kompliment quer durchs Lokal gesagt hat, das mit den Worten begann: „Also wann i heut noch einmal
zwanzig wär, Gnädigste ...“ Der Rest blieb jedes Mal unverständlich, weil der
Herr Doldinger seine Zähne daheim vergessen und den einen oder anderen
weißen Spritzer zu viel getrunken hat.
Es ist kurz nach zwei, die Sensation heißt Marlene und sitzt mir gegenüber, an
meinem Stammtisch neben der Jukebox.
MILENA TASCHENBUCH
232 S., broschiert
EUR 14,50/sFr
ISBN 978 3 85286 173 9
Bereits erschienen!
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