Hardcover

€ 22.00

ISBN 978-3-903184-12-1

Götz Schrage

Tausendmal verliebt

Götz Schrage ist ein Mann vieler Talente, Gesichter und Widersprüche, ein obsessiver Beobachter, Künstler und Literat. Daraus resultiert ein gut portioniertes Quantum an literarischer Spannung und Lust.

Der schreibende Flaneur dieser Tage streift in seinen 66 Stadttexten mit hellwachen Augen durch die Stadt, es sind die Abgründe, die ihn besonders anziehen, es sind die Verlierer, denen seine Aufmerksamkeit gilt. Und es sind die Frauen, die seine Welt bedeuten.
„Tausendmal verliebt“ ist eine literarische Hommage an Wien, an seine Bewohner und speziell seine Bewohnerinnen. Eine Hommage an das Leben, an die Nacht (und ihre Lokale). Schrage schreibt stark und auch halbstark, jedoch immer mit zärtlicher Feder. Schrages Literatur ist Literatur gegen den Strich.

Mit einem Vorwort von Walter Gröbchen
Mit einem Geleitwort von Helge Timmerberg

DER ALTE MANN UND DIE KOKSFRESSE

Laute Männer mit rotfleckigen Gesichtern stehen an der Bar. Wahrscheinlich vom Land und ganz sicher betrunken. Der in der Mitte scheint der wichtigste zu sein. Die anderen sind nur Entourage, Statisten und Fanboys. Sein bedrucktes Hemd ist mehr als einen Knopf zu weit offen.
Die Zähne sind weiß wie Papier, und um den Kopf hat er eine ausgeleierte Strickmütze gewickelt. Die blasierte Eitelkeit in den Augen und das Koks in der Nase. Scheinbar hat er gemerkt, dass ich ihn ansehe. Vielleicht hält er mich für einen alten Mann, der ihn bewundert und gerne wäre wie er, dabei wäre ich wirklich nichts weniger gerne als das.


STRASSENROMANTIK IM SPÄTSOMMER
Halslose Rumänen mit kurzen Beinen und langen Oberkörpern tragen einen desolaten Kasten über die Gasse. Im strengsten Parkverbot parkt ein ebenso desolater weißer
Lieferwagen. Das Mädchen mit dem tätowierten Hals schenkt dem braunen Bettler, der bei jeder Jahreszeit in seinem dicken Wintermantel zu wohnen scheint, eine dünne Damenzigarette. Tanzende Frauen mit schwingenden Hüften singen ihr ewiges Hare-Hare-Krishna. Ein dicker Hund schleicht missmutig durch die Fußgängerzone. Ich suche in meinen kurzen Hosen nach Geld und kaufe mir ein Eis. Wir sind in der schönsten Stadt der Welt, und der Spätsommer ist gnädig wie selten.


ZWEI ALTE KAMPFHUNDE

Seine Hände waren schon tätowiert, als wir noch stolz auf unsere Föhnwellen waren und Bundfaltenhosen trugen, für die wir uns heute schämen. Früher hat man sich vor
ihm gefürchtet. Wenn er durch die Lokale zog, duckten sich die Leute rechts und links weg, und jeder starrte auf den Boden, weil es damals noch keine Handys gab, auf die man starren konnte. Niemand hat sich so sehr vor ihm gefürchtet wie ich, weil ich wusste, wer er war. Jetzt ist er in Pension von was auch immer, und wir reden, wenn wir uns sehen. Vom Heim erzählt er, von den Erziehern, wie sie ihn geschlagen haben, und dann lacht er, raucht er und
hustet er, so wie man halt hustet und lacht, wenn man hundert Zigaretten am Tag raucht.
Einen Hund hat er sich geholt aus dem Tierheim. Einen o-beinigen alten Kampfhund mit angeweißter Schnauze, der schlecht sieht und nichts mehr hört, und zusammen
gehen sie jetzt immer ums Haus. Egal wie kalt es ist, er trägt einen giftfarbenen Trainingsanzug, und der Reißverschluss der Jacke bleibt offen, damit man die schweren
Goldketten sieht. Heute haben sie mich nicht bemerkt, und ich habe den beiden alten Kampfhunden hinterhergeschaut.
Mein Bekannter hatte keine Zigarette in der Hand, und das macht mir ein wenig Sorgen. Ich hoffe, ich sehe sie noch viele Winter lang, weil sonst was fehlt von dem alten Wien, von dem ohnedies nur noch so wenig da ist.

Zitate

Schwärmer mit Höhenangst – Götz Schrage im Interview

Als Lokalpolitiker provoziert er, wo er nur kann, und erntet dafür einen ­Shitstorm nach dem anderen. Ansonsten interessiert er sich beinahe obsessiv für Frauen. Darüber schrieb er ein Buch: „1000 x verliebt“. Fotograf Götz Schrage im Interview.


Herr Schrage, für einen 1,97 Meter großen Mann sind Sie ganz schön höhenängstig. Auf den Flakturm kriegen wir Sie also nicht rauf?

Keine Chance! Ich bin geschlagen mit einigen Phobien, die mir die Teilnahme an vielen Dingen verunmöglichen, Höhenangst gehört dazu. Aber auch Fahren auf Autobahnen macht mir Angst, wenn ich meine Notfalltabletten Xanor nicht dabei habe, oft weiche ich auf die Bundesstraße aus.

Ich selbst bekämpfte meine eigene ­Höhenangst einst damit, dass ich mich mühsam Stufe um Stufe zur Bibliothek am Urban-Loritz-Platz hinaufarbeitete.

Wow! Starke Leistung, das würde ich nie schaffen!

Wie gehen Sie damit um? Ergeben Sie sich der Angst und meiden Sie jede kleine Anhöhe oder kämpfen Sie dagegen an?

Immer, wenn ich eine Frau kennenlerne, frage ich sie zunächst, in welchem Stockwerk sie wohnt. Vor Kurzem besuchte ich eine Frau im vierten Stock, worauf ich sehr stolz bin. Das war allerdings das erste Mal seit Einführung des Euro, dass ich so hoch oben war. Bedauert habe ich, dass ich es bei der Promotionsfeier meiner Tochter im Rathaus nicht die Treppe hinaufgeschafft habe.

Wo liegt dann die eigene Wohnung?

Im Erdgeschoß natürlich.

Und wo lag die der Eltern?

Im 2. Stock, das ging gerade noch mit Herzklopfen.

Sie sind SPÖ-Bezirksrat im siebten Bezirk. Machte der eine gute Entwicklung durch während Ihrer Tätigkeit, oder ist das auf seine Art ein richtiger Problembezirk?

Problembezirk sicher nicht! Allerdings, diese Fußgängerzone Mariahilfer Straße! Ich könnte jetzt vier Stunden sprechen über die Furchtbarkeit von Fußgängerzonen! Na gut, die Leute sind offenbar glücklich da­rüber, aber ich kann da nur den Kopf schütteln. Das Schlimmste ist der Mangel an Kultur. Diese Häuser wurden ja gebaut, um von Trottoir umgeben zu sein, und nicht, damit sie wie in Disneyland herumstehen und davor gehen Luftballonfalter auf und ab. Wien schaut hier aus wie Duisburg, jede Fußgängerzone schaut gleich aus, die Menschen schauen gleich aus. Eine urbane Katastrophe. Ich hoffe, dass die Grünen sich bald wieder konsolidieren und mehr über Umweltschutz nachdenken, und weniger über Verkehr und Stadtentwicklung, wovon sie in meinen Augen überhaupt keine Ahnung haben.

Die eigene Partei schon?

Na bitte! Dass sich das rote Wien so grandios entwickelt hat zu einer der wunderbarsten, groß­artigsten, am besten verwalteten Städte der Welt, das hat mit uns Roten zu tun! Ich hoffe also, dass wir wieder stark genug werden, um es alleine machen zu können.

Nach den Wahlen: Müssen wir Angst vor der FPÖ haben?

Ach was! Ich hätte nicht einmal Angst, wenn Gottfried Küssel Kanzler werden würde. Angst müssen all die haben, die die Rechten gewählt haben, weil sie gedacht haben, die nehmen jetzt den Flüchtlingen die iPhones weg, die sie eh nie hatten. Und das Geld bekommen jetzt die, die beim Strache auf Facebook seine Postings geliked haben. Aber nichts dergleichen wird jemals passieren. Am Ende wird es eine Episode des Kopfschüttelns gewesen sein. Ich traue ja den Top-5-Leuten der FPÖ nicht einmal zu, die große Tankstelle auf der Triester Straße mit dem angeschlossenen Selbstbedienungsrestaurant über fünf Jahre zu führen, die können das nicht, da fehlt es an Intellekt, an Charakter, an allem, weil sie nicht schlau genug sind.

Reden wir von etwas Erfreulichem: Sie haben ein Buch über Frauen geschrieben, „1000 x verliebt“. Wie sind die Reaktionen?

Die Reaktionen sind gut, ich bekomme gewohnt viele Hassmails in der Art: „Tausend Mal verliebt – ich hoffe, Sie haben auch tausend Mal verhütet, Sie Schwein!“ Oder war er per du mit mir? Nein, per Sie. Oder auch sehr schön: „Sie Möchtegerncasanova mit Ihrem Wasserkopf und dem Minipimmel!“

Ist da Neid dabei?

Nein! In diesem Buch geht es auch in keiner Weise ums Protzen, das ist keine Leistungsschau. 1000 x verliebt heißt ja nicht 1000 x Pudern. Das 1000 x klingt natürlich inflationär und 10 x verliebt käme der Sache vermutlich näher. Aber grundsätzlich geht es darum, dass ich von Frauen einfach unfassbar begeistert bin.

Kann man sagen, die Wienerin ist unter allen Frauen eine Klasse für sich?

Aber hundertprozentig! Ich war übrigens nackt abgebildet bei der ersten Ausgabe der Zeitschrift Die Wienerin. Überall in der Stadt hingen Plakate mit mir drauf. Ich war 25 damals und bekam sonderbare Rückmeldungen in der Art: „Nackt schaust du gar nicht so verbaut aus wie angezogen!“ Ich dachte: Okay, ist das jetzt ein Kompliment?

Ihr Buch provoziert also wieder einen Shitstorm, einen von vielen in Ihrem Leben.

Ach, ich bin sozial komplett autistisch, mir ist das vollkommen wurscht. Können Sie sich erinnern, wie der Karl Schranz nach ­Sapporo über die Ringstraße gefahren wurde und alle ihm zujubelten? Wenn Sie mich im Auto durch Wien fahren würden und aus allen Fenster schrien die Leute: „Schrage, wir hassen dich!“, dann hätte ich das vergessen, sobald ich aus dem Auto steige. Ich bin viel zu begeistert von Frauen, als dass ich mich von Idioten, die mich deswegen runter­machen, irgendwie irritieren ließe.

Wie läuft das ab, Sie und die Frauen?

Ich praktiziere die „französische Methode“, stehe an einer Bar, trinke etwas und schaue dabei traurig drein. Darin habe ich ein großes Durchhaltevermögen, dadurch errege ich Aufmerksamkeit, auch durch die ständige Beschäftigung mit meinen Notizbüchern. Geist ist nämlich schon geil, Frauen finden Geist sexy. Freilich müsste für diese Methode die gesunde Zigarette erfunden werden, denn mit Zigarette sieht das alles noch viel cooler aus. Ein italienischer Freund von mir, der auch diese Methode praktiziert, ist wohl der größte Herzensbrecher weltweit und dabei vollkommen ohne jeden „Schmäh“ oder verwegenes „Aufreißen“, woran ich sowieso nicht glaube. Der sitzt an der Bar, schaut traurig drein und trinkt ein Bier nach dem anderen.

Dann wird er getröstet?

Nein. Trösten wäre ja nicht auf Augenhöhe. Diese Methode hat durchaus etwas Verwegenes, man kann ja in der Folge durchaus überraschen. Ich bin einfach gut im Neugierigmachen, hingegen bin ich der schlechteste „Aufreißer“, den es gibt. Ich bin ein Schwärmer.

Wie lange stehen Sie dann, bis Sie eine auf sich neugierig gemacht haben? Ab dem wievielten Bier denken Sie: Heute wird das nichts mehr?

„Heute wird das nichts mehr!“ setzt einen Plan voraus, dabei gehört die Planlosigkeit zum Konzept. Es gibt ein wunderbares Interview mit Charles Bukowski, in dem er gefragt wird, wie er als alter hässlicher Mann so viele Frauen haben könne. Und er sagt sinngemäß: „Well, ich bin halt einfach da.“ Ich glaube, das ist es! Da sein!

Ein idealer Lebensentwurf also, der Bukowskische?

Ohne Alkoholismus definitiv. Ich selbst trinke ab 22 Uhr Bier, ab 23 Uhr dann harte Getränke. Blöd dabei ist, dass diese Abende oft bis 3 Uhr früh dauern und ich bis dahin natürlich oft sehr viel trinke.

Wo stehen diese Bars?

Nachts verkehre ich in meinen hinichen Lokalen, bis sie Sperrstunde haben. Wenn ich dort mit Frauen hingehe, fragen mich Männer mit Tätowierungen am Arm, ob sie meine Begleitung zum Tanzen auffordern dürfen, wählen einen Song aus der Jukebox und bringen die Dame anschließend ganz respektvoll zurück. Die Orte dieser sterbenden Welt hüte ich aber als Geheimnis.

Interview: Manfred Rebhandl, Wiener online




Götz Schrage hat sich vom Shitstorm um sein sexistisches Facebook-Post erholt. Den Witz von damals bereut er. Jetzt schrieb er einen Sammelband über Begegnungen mit Frauen.

Zum Gespräch bittet er in eines seiner beiden Wohnzimmer, das Café Ritter in Mariahilf. Hier hat Götz Schrage einen Stammplatz, an dem er nachdenkt, seine Umgebung beobachtet und Notizen in sein kleines schwarzes Moleskin-Büchlein macht. Wenn er nicht hier sitzt, sitzt er im Café Europa ums Eck. Sein Fotoatelier ist auch nicht weit. Seit einigen Jahren ist Schrage zudem Bezirksrat der SPÖ Neubau. Sehr oft muss er sich nicht aus seinem kleinen Grätzel bewegen.

Wer Götz Schrage nicht kennt, tut sich schwer, ihn gleich zu erfassen. Das Leben des 57-Jährigen war bisher viel, nur nicht geradlinig und eintönig. Seine Karriere begann er mit 19 als freier Schreiber und Fotograf beim „Wiener“. Dort befüllte er unter anderem die Gesellschaftsspalte „Intimzone“, und man lehrte ihn, den Berufsanfänger, stets zu notieren, was die Leute anhaben und was sie essen. „Das mach' ich immer noch“. Die Jahre als Fotograf waren lukrativ, „doch Werbung hat mich überhaupt nicht interessiert“. Also suchte Schrage Mitte der 1990er eine neue, ebenso lukrative Einnahmequelle und wurde Berufs-Pokerspieler. 2000 bis 2500 Stunden spielte er pro Jahr. Nach sechs, sieben Jahren war das vorbei. Dann kam 2015 die Flüchtlingskrise und Schrage stürzte sich fast manisch, wie ihm nicht wenige Menschen in seiner Umgebung attestierten, in die Flüchtlingshilfe. Es sieht so aus, als ob Schrage alles, was er beginnt, im Extrem ausführen muss. „Meine Freunde nennen mich gern so wie den aktuellen Serien- oder Filmneurotiker. Eine Zeit lang war das Monk und dann Sheldon Cooper.“ (aus „Big Bang Theory“, Anm.)
Die einzigen Konstanten in seinem Leben sind die Fotografie und das Schreiben. Gut 30 dieser kleinen, schwarzen Notizbücher hat der fast zwei Meter große Mann mit den kurzen, leicht ergrauten Haaren und der schwarzen Brille in den vergangenen 25 Jahren beschrieben, seit einiger Zeit befüllt er zusätzlich täglich sein digitales Notizbuch namens Facebook. Dort kommentiert er das (politische) Geschehen und zwar selten sehr ernst. Macht Witze, auch die der derberen Sorte. Ein bis zwei solcher Posts veröffentlicht er pro Tag, auch solche, die manche Leser (absichtlich?) falsch verstehen könnten. Meist erntet er dafür virtuellen Applaus. Doch im Mai hat er einen Witz gemacht, der mehr Empörung als Lacher auslöste.

Schlechter Scherz

Es war kurz nachdem Elisabeth Köstinger zur Generalsekretärin der neuen Kurz-ÖVP ernannt worden war, als er in seinem digitalen Tagebuch „die jungen Damen der ÖVP Innere Stadt aus den frühen 80ern, die mit mir schliefen, weil sie mich für einen talentierten Revolutionär hielten“ beschrieb und ergänzt hatte: „Da hängt sicher noch ein Burberry-Schal im Vorzimmer von Elisabeth Köstinger. Ich muss das wissen als Experte.“ Das Post schlug rasch Wellen, auch deswegen, weil Schrage nebenberuflich Bezirksrat in der SPÖ-Neubau ist. Auch die Bezirksleitung überlegte, ihn deswegen seines Amtes zu entheben (was sie dann nicht taten).

Ein halbes Jahr sagt er: „Ich habe einen schlechten Scherz über eine mächtige Frau gemacht und fand ihn im Nachhinein fetzendeppert.“ Er habe sich damals aufrichtig bei Köstinger entschuldigt und sinngemäß ausgerichtet bekommen, die ganze Sache sei für sie nicht der Rede wert. Nur wer Schrage besser kennt und weiß, wie alt er ist, wusste, dass die Bemerkung nicht auf einer realen Begebenheit beruhen konnte. Köstinger und er sind gut 20 Jahre auseinander, eine gemeinsame Jugend in den 80ern geht sich nicht aus.
Schrage hat einiges aus dieser Episode gelernt: „Für mich sind Idole zerplatzt“, sagt er. Menschen, die er davor geschätzt hat, sieht er heute als „ untalentierte Berufsaufreger“. Umgekehrt sei er überwältigt, wie viele Menschen sich für ihn eingesetzt haben. „Ich habe keine einzige Freundin verloren. Denn niemand, der mich kennt, würde glauben, dass ich das ernst gemeint habe“. Dass manche seine verbale Entgleisung nun in einem Atemzug mit der #metoo-Debatte nennen, stört ihn. Man könne einen dummen, wenn auch in Ansätzen sexistischen Scherz wie seinen nämlich nicht mit sexuellen Übergriffen vergleichen. Zudem sei er, und das klingt nicht wie ein Scherz oder eine billige Pointe, eher „der britisch zurückhaltende Typ“, wenn es um den Umgang mit Frauen gehe.

So ganz will man ihm das nicht abnehmen. Gerade hat er mit „Tausendmal verliebt“ einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht, in dem es nur um Begegnungen mit Frauen und das Nachtleben geht, die ein namenloser Ich-Erzähler vorbringt. Tatsächlich sind die Schilderungen des weiblichen Geschlechts mit einer gewissen Distanz und Schüchternheit verfasst. Glaubt man zuerst, die Texte haben nichts miteinander zu tun, bemerkt man bald, dass sie lose zusammenhängen. Schrage lässt seine vielen Beobachtungen aus Kaffeehäusern und Nachtlokalen einfließen und mischt wahre Personen und Begebenheiten zu semi-fiktiven Geschichten. Nichts, was hier geschildert wird, muss wahr sein. Aber es kann. „Jeder Idiot kann ein Buch schreiben, solange er einen anderen Idioten findet, der es verlegt“, sagt sein Protagonist in der ersten Geschichte. Ist das Koketterie? „Nein“, sagt Schrage, „weil ich habe bei diesem Satz überhaupt nicht an mich gedacht. Dazu bin ich viel zu eitel.“ Gemeint habe er richtig schlechte Bücher, nicht seines.
(Anna-Maria Wallner, Die Presse)




Er schreibt, wie er fotografiert und er fotografiert, wie er schreibt. Zwei Talente ticken synchron. Und was macht er damit? Liebt Wien. Sein Wien. Das schräge, ehrliche, nicht ganz saubere, nicht ganz legale, nicht ganz reiche, aber fast immer weibliche Wien. Und das ist gut.
(Helge Timmerberg)

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