Revisited 10
Mit einem Nachwort von Günther Stocker
Aus dem Englischen übersetzt von Georg Goyert
284 Seiten, Hardcover

€ 23.90 / SFr 34.50

ISBN 978-3-85286-228-6

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Moskau ist viel schöner als Paris

Robert Neumann

Die Puppen von Poshansk

»Die Puppen von Poshansk« packend, bitterböse und 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung endlich wieder zugänglich gemacht!

In dieser bitterbösen Satire auf den Kalten Krieg tummeln sich im sibirischen Poshansk verzweifelte amerikanische Präsidentschaftskandidaten, sexsüchtige Stalinistinnen und brutale Nazischergen. Währenddessen proben unbeugsame Gulaghäftlinge den Aufstand gegen Stalin. Die Stunden der Diktatur scheinen gezählt.

Sibirische Goldbergwerke und Gulags bilden die Kulisse dieses 1952 erstmals veröffentlichten tragikomischen Romans, in dem das Grauen längst zum Normalzustand geworden ist. Neumann, Großmeister der literarischen Satire, erzählt die Geschichte des abgehalfterten US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Walter Mayflower Watkins, der sich von seiner Good-Will-Reise durch die UdSSR politischen Aufwind verspricht. In Poshansk trifft er auf den Trotzkisten Toboggen, der aus der lebenslänglichen Verbannung hervorgeholt wurde, um die Greuelmärchen über Massenliquidierungen in der UdSSR zu widerlegen. Watkins verliert den eigentlichen Grund seiner Reise aus den Augen, verliebt sich in Ursula Toboggena, eine linientreue Dolmetscherin, und erkennt nicht, dass er durch eine Welt der Zwangsarbeitslager reist. Alle von Neumann in Poshansk versammelten Figuren – wie der Trotzkist Toboggen, dessen stalinistische Tochter, ein aus deutschen KZs geflüchteter Jude, amerikanische Finanzhyänen, ein Nazihenker, der sich in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft als Spitzel angebiedert hat– sind wie Watkins selbst nichts anderes als Marionetten der politischen Systeme Kapitalismus und Kommunismus.

Das Buch beweist aufs Neue, dass die österreichische Literatur der 1950er Jahre sehr viel vielschichtiger ist, als man mit Blick auf die kulturelle und politische Situation im Nachkriegsösterreich vermuten würde.
Bernhard Fetz, Ö1