384 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Leseband

€ 23.00

ISBN 978-3-903184-58-9

Christopher Just

DER MODDETEKTIV BESIEGT CORONA

Mit ungekannter Härte bricht die zweite Coronawelle über die Welt herein. Gemeinsam mit der aufregend bipolaren CIA-Spezial-Agentin Tracy Contact tritt der Moddetektiv einen aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die mörderische Seuche an.

Der Moddetektiv hat zwei Probleme: Er steht vor den Trümmern der großen Liebe seines Lebens, und sein Haarschnitt muss dringend fassoniert werden. Doch wegen der Pandemie hat sein Friseur seit Monaten geschlossen. Dem nicht genug, sieht es ganz danach aus, als ob Wiens bestaussehender Privatermittler selbst infiziert ist.
Von Notfall-Hotline-Telefonistinnen als testunwürdig eingestuft, nimmt der Moddetektiv den Kampf gegen das tödliche Virus auf. Mit stetig schwindenden Kräften kämpft er sich auf der Suche nach einem Heilmittel durch einen von misanthropischen Milliardären, blutgierigen Plasma-Junkies und Apokalyptischen Anniesern bevölkerten Albtraum einer im Sterben liegenden Stadt. Dass dem amphetaminaffinen Berufsbeschatter langsam die Drogen ausgehen, macht die Sache auch nicht einfacher.

Genial, verrückt, real. Mit seinem monumentalen Roman um die Vernichtungsmaschine SUPERSPREADER schreibt sich Christopher Just endgültig in die Reihe der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart ein.

»WHYYYYYYY!« schreiend, fuhr der Moddetektiv aus einem bereits hunderte Male durchlebten, immer an derselben Stelle endenden Traum hoch und fand sich mit tränenüberströmtem Gesicht und steil aufgerichtetem Oberkörper in den schweißgetränkten Laken seines Bettes wieder. Es
dauerte mehrere Minuten, bis es ihm gelang, die klammen Fetzen seines finsteren Traumes abzuschütteln und die Fassung einigermaßen wiederzuerlangen.
Sein Kopf kochte, seine Augen pochten, seine Ohren sausten, seine Nase bebte. Sein Gaumen klebte, seine Kehle schnürte, sein Atem rasselte, seine Lunge stach, denn: Es war ein weiterer dieser elenden Tage, an dem seine Stirn schon am Morgen so heiß war, als wäre es bereits Vormittag, doch es war noch zeitig in der Früh, denn wäre es bereits Vormittag, wäre seine Stirn mindestens so heiß wie zu Mittag oder wie am Nachmittag, wo seine Stirn dann allerdings bereits so heiß wäre, als wäre es längst Abend oder er immer noch in New Orleans.
Mit einem Wort: Er fühlte sich miserabel. Und das schon seit Wochen. So konnte das unmöglich weitergehen. Ächzend hievte er sich aus dem Bett, schleppte sich mit wackeligen Knien Richtung Telefon. Der Weg ins Arbeitszimmer dehnte sich in unendliche Weiten, bewegte sich jedoch zugleich mit rasender Geschwindigkeit auf ihn zu und im selben Moment wieder von ihm fort, während um ihn herum die Stühle, Tische, Lampen – überhaupt alles – fortwährend tanzend die unterschiedlichsten Größen und Formen annahmen. Als er endlich den Schreibtisch erreichte und mit letzter Kraft den Hörer abnahm, kam ihm dessen Gewicht einer Zweihundertfünfzigkilogrammhantel aus Wolle gleich. Mit zittrigem Finger kurbelte er die meistgefragte Zahlenkombination des Universums in die Wählscheibe und machte sich, von supersofter Synthetiksaxophontonbandmusik eingelullt, auf eine längere Wartezeit gefasst.

FOUr HoURS LAtER
(drei Stunden später)

Das scharfe Knacksen eines völlig unerwarteten Abhubs riss ihn jäh aus einem fiebertraumartigen Dämmerzustand. Auf der Suche nach einem Anhaltspunkt blickte er hilflos um sich. Wie lange war er hier gelegen?
Es mochten Stunden, Tage, vielleicht sogar Wochen vergangen sein – Minuten waren es jedenfalls nicht gewesen, die Sonne stand bereits im Zenit. Plötzlich beträllerte ein vor unangebrachtem Optimismus triefender Singsang seine Gehörgänge und ließ ihn die Überlegungen auf einen späteren Zeitpunkt vertagen.
»MyCorona, guten Tag, danke, dass Sie unsere 1450-Hotline in Anspruch nehmen, der Anruf kostet Sie neunzehn Dollar pro Minute und Sie sprechen mit Jutta Baumann. Was kann ich für Sie tun?«
»Hallo, Jutta, mein Name ist Der Moddetektiv – ich glaube, ich bin infiziert!«, stieß der Moddetektiv, vom stundenlangen Hängen in der supersoften Synthetiksaxophonwarteschleifenmusiklounge mürbe geworden, heiser hervor.
»So? Und warum glauben Sie das?«, frug ihn die augenblicklich mit einer Prise Skepsis bewürzte Stimme am anderen Ende der Leitung.
»Ich fühle mich entsetzlich angeschlagen, habe starke Kopf- und Gliederschmerzen, wahrscheinlich hohes Fieber und –«
»Waren Sie in Italien?«, unterbrach ihn die Stimme mit der Eiseskälte professioneller Teilnahmslosigkeit.
»Ja, war ich!«, krächzte der Moddetektiv genervt.
»Sehr gut. Und wie lange ist das her?«
Der Moddetektiv überlegte. »Drei oder vier Jahre, vielleicht auch länger, ein Scooter-Run hatte mich nach Neapel –«
»Entschuldigen Sie bitte, Sir«, fiel ihm die myCorona-Lady scharf ins Wort, »ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor, meine Frage zielte darauf ab, ob Sie in jüngster Zeit in Italien waren, sagen wir mal, hmm, innerhalb der letzten drei Wochen?«
»Nein, war ich nicht«, grummelte der Moddetektiv kleinlaut und
vermeinte am anderen Ende der Leitung das raue Kritzeln eines Kugelschreibers zu vernehmen, der ein Kästchen, neben dem »negativ« stand, ankreuzte.
»Also nicht in Italien gewesen …«, stellte die myCorona-Lady bedauernd fest. Um dann mit frischer Routine fortzufahren: »Und Tirol, Sir, waren Sie in Tirol?«
»Sagen Sie mal, Jette –«
»Jutta!«
»Meinetwegen Jutta, was soll das alles?! Ich spreche hier doch mit der myCorona-Hotline, oder bin ich etwa bei einem verdammten Reisebüro gelandet?!«
»Sir, ich muss Sie bitten, sich im Ton zu mäßigen und meine Fragen zu beantworten«, kam es reichlich reserviert retour. »Also, Sir, waren Sie in Tirol?«
»Tirol?«, stieß der Moddetektiv angeekelt hervor. »Nein, da war ich noch nie, und ich habe auch nicht vor, dort jemals je hinzu-«
»Tststs … Tirol also auch nicht«, murmelte es enttäuscht, während das knisternde Geraschel vertrockneter Dauerwellen ein mitleidiges Kopfschütteln und das im Anschluss folgende Kugelschreibergekrakel ein Ankreuzen des nächsten »Negativ«-Kästchens erahnen ließ. »Gibt es eine Person in Ihrem Haushalt, die an Corona erkrankt ist?«, lautete die im Anschluss an den Moddetektiv gerichtete Frage.
»Ich lebe allein.«
»Lebt allein …«, echote die Stimme am anderen Ende der Leitung
verächtlich. Erneutes Kugelschreibernegativangekreuze. Um nach einer kurzen Nachdenkpause seufzend nachzuhaken: »Irgendjemand in Ihrem unmittelbaren Bekanntenkreis, der Symptome aufweist?«
»Allerdings!«, triumphierte der Moddetektiv. »Mrs. Krambambo!«
»Mrs. Krambambo?«
»Die Frau des Inspectors!«
»Haben Sie diese Mrs. Krambambo in letzter Zeit gesehen?«, frug die Telefonstimme nun argwöhnisch.
»Natürlich nicht! Niemand hat sie jemals gesehen, manch zynisch zerklüftete Zungen behaupten gar, sie existiere überhaupt nicht, vielmehr sei sie bloß eine Erfindung des Inspectors, um den Mörder mit bis zum
Erbrechen liebenswerten Details aus seinem Privatleben so lange anzuöden, bis der Tunichtgut letztlich aufgrund blitzeblank gescheuerter Nervenstränge das Handtuch schmisse und alles gestehe, nur damit endlich sein Gesicht als Standbild sowie hernach die Schrift käme und es aus seie, verstehen Sie?«
»Ich verstehe, und, äh, dieser Inspector, haben Sie den in letzter Zeit gesehen?«
»Ebenfalls natürlich nicht, Inspector Krambambo zählt altersbedingt zu den Unberührbaren und ist, wie es sich gehört, selbstverständlich in Quarantäne. Niemand außer seiner Mrs. darf ihn sehen.«
»Von der wir allerdings nicht wissen, ob sie überhaupt existiert …«, gab die myCorona-Lady zu bedenken.
»Nur damit wir uns richtig verstehen: Das ist nicht meine Meinung!«, begohr der Moddetektiv auf, um jedoch gedeftet hintanzustellen: »Aber ja, es gibt diese Gerüchte.«
Letztmaliges, ablehnendes Kugelschreibergekritzel.
»So, das war’s auch schon, Sir. Bitte bleiben Sie in der Leitung, bis wir Ihren Test ausgewertet haben.« Supersofte Saxophonwarteschleifenmusik flutete den Hörer.
Test? Welcher Test?? Er hatte doch angerufen, um einen Test zu bekommen, da er sich entsetzlich angeschlagen fühlte, starke Kopf- und Glieder-schmerzen hatte, zudem wahrscheinlich an hohem Fieber litt, sprich: eindeutig infiziert war! Keine drei Sekunden später meldete sich die my-Corona-Lady Jutta Baumann zurück.
»Sir, sind Sie noch dran?«
»Ja, bin ich!«
»Sir«, perlte es ihm freudig entgegen, »ich darf Sie zu Ihrem Testergebnis beglückwünschen, Sie sind Corona-negativ.«
»Wie bitte?? Welches Testergebnis? Ich wurde noch gar nicht getestet, genau deshalb rufe ich doch an, um endlich an einen dieser scheißverdammten Tests ranzukommen!«
»Sir, die Summe der Antworten auf die an Sie gestellten Nach-dem-Test-ist-vor-dem-Test-Fragen ergab eindeutig, dass Sie Corona-negativ sind und aus diesem Grund keinen weiteren Test benötigen.«
Es einfach nicht glauben könnend, schraubte sich die Stimme des Moddetektivs in kanzlerartige Höhen: »Bloß weil ich in jüngster Zeit nicht in Italien, nicht in Tirol, nicht bei Mrs. Krambambo, alles drei: gewesen bin, bescheinigen Sie, Jutta Baumann, mir, dem Der Moddetektiv, Corona-negativ und deshalb testunwürdig zu –«
Ein letztes Mal fiel ihm die myCorona-Lady mit liebenswürdig säuselndem Singsang ins Wort: »Danke, Sir, dass Sie sich an myCorona-1450 gewendet haben, wir hoffen, Ihnen geholfen zu haben, und wünschen Ihnen noch einen schönen Tag. Bleiben Sie gesund, und vergessen Sie nicht:
Gemeinsam schaffen wir das.«

Was, wenn die Corona-Pandemie nicht in der Natur, sondern in einem Chemielabor in Syldavien entstanden ist und der superreiche Immobilientycoon Emerald Westminster III damit zu tun hat? Nun, dann hätte man zumindest einen Bösewicht, auf den man zeigen kann. Außerdem wäre der Fall Corona für den Wiener Moddetektiv Augustin Johnny Sandemann so gut wie gelöst. Hat er Westminster III doch schon bei einem früheren Fall lebenslänglich hinter Gitter verfrachtet. Aber auch dann blieben immer noch die Apokalyptischen Annießer, eine Sekte um die Anführer Coronald Covidel und Massepain d'Emie, die mithilfe einer "Superspreader" genannten Biowaffe die Menschheit ausrotten will. Und was ist mit den Wiener Kinderfeinden, einer rechten Rentnergruppierung? Oder den vampirartigen Plasma-Junkies, die es auf die Antikörper im Blut bereits Genesener abgesehen haben?
Man merkt: Es ist ein schwieriges Pflaster, dieses von der zweiten Corona-Welle gebeutelte Wien, auf dem sich der mit der "stilsicheren Grandezza und Smartness eines Mods ersten Ranges" gesegnete Ermittler in Christopher Justs neuem Roman "Der Moddetektiv besiegt Corona" bewegt. Der vorwiegend als Elektronikmusiker bekannte Just spinnt darin die Fäden aus seinem Debütroman "Der Moddetektiv" (2017) weiter und setzt abermals auf Wortwitz, Ironie sowie die Überzeichnung von Klischees.
Dass der stets souverän gekleidete Anhänger der Mods (britische Subkultur der Sechziger) seinen ruinierten "Original French Cut" als schlimmsten Auswuchs der Seuche betrachtet, passt da ins Programm. Oder dass alle Wiener eine Plexiglasniesschutzkugel tragen müssen. "Eine befreiende Möglichkeit" anzubieten, "Corona frech ins Gesicht zu lachen", so beschreibt der gebürtige Wiener seine Absicht. Und dem kommt er mit dieser unterhaltsam-überdrehten Krimiparodie, in der unter anderem auch Kiss-Gitarrist Paul Stanley eine Rolle spielt, auch sehr nahe.

Süddeutsche Zeitung, 1.1.2021



Die zweite Welle der Corona-Pandemie rast ungebremst um den Erdball. Die Wiener Bevölkerung ist bereits um die Hälfte dezimiert.
Die Corona-Hotline 1450 dient nur dazu, den Anrufern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Verrückte Sektenmitglieder ermorden Menschen mit Antikörpern und trinken deren Blut. Das ist das Umfeld des neuen Romans „Der Moddetektiv besiegt Corona“.
Der Autor Christopher Just (52) konfrontiert seinen Wiener Privatermittler Johnny Augustin Sandemann in der nahen Zukunft mit den die Menschheit bedrohenden Auswirkungen von Covid-19. Das Szenario ist apokalyptisch, und Just malt es lustvoll in betont schnoddriger und verstiegener Sprache aus.
Denn nach dem ausgiebigen Baden in Schreckensbildern und dem Kontrast zur Coolness des modebewussten Mods im Zentrum des Geschehens wandelt sich der Roman zum Corona-Krimi, der mit dem Einfliegen der bipolaren CIA-Agentin Tracy Contact immer stärker nach den bewährten Plots von James Bond Filmen funktioniert, gleichzeitig aber als Parodie auf einschlägige Endzeit-Thriller gelesen werden kann.
Als „das Böse“ dient die Sekte der „Apokalyptischen Annieser“, deren Oberbösewichte namens Coronald Covidel und Pan d’Emie mittels einer „Superspreader“-Maschine das Virus über die Welt verteilen wollen.

Oberösterreichisches Volksblatt, November 2020


Wiener Musiker und Autor Christopher Just lässt seinen stylebewussten Privatermittler die Welt vor der Vernichtung durch das Virus retten (Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
Die zweite Welle der Corona-Pandemie rast ungebremst um den Erdball. Die Wiener Bevölkerung ist bereits um die Hälfte dezimiert. Weil gegen das Virus keine Stoffmasken mehr schützen, ist das Tragen von Plexiglasniesschutzkugeln Pflicht. Die Corona-Hotline 1450 dient nur dazu, den Anrufern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Verrückte Sektenmitglieder ermorden Menschen mit Antikörpern und trinken deren Blut. Das ist das Umfeld des neuen Romans "Der Moddetektiv besiegt Corona".
Der Musiker und Autor Christopher Just (Jahrgang 1968) konfrontiert seinen stylebewussten und gut aussehenden Wiener Privatermittler Johnny Augustin Sandemann, den er in seinem Debütroman 2017 als "Der Moddetektiv" (von "Mods", einer vor allem auf Parkas und Motorroller setzenden Subkultur) in die Literatur einführte, in der nahen Zukunft mit den die Menschheit bedrohenden Auswirkungen von Covid-19. "Dieses Buch beruht auf wahren Begebenheiten", setzt er dem Roman voran. "Die Zeit, in der es spielt, ist noch nicht jetzt, doch schon sehr bald."
Das Szenario ist apokalyptisch, und Just malt es lustvoll in betont schnoddriger und verstiegener Sprache aus. Alleine für die grausame Ermordung der "bezaubernden Audrey Tautou", die sich gerade zu Dreharbeiten von "Die fabelhafte Welt der Amelie - Rechargé" in Wien befindet, durch eine Horde nach ihren Antikörpern Verrückter, wendet er fünf blutgetränkte Seiten auf. Auch US-Rockgitarrist Paul Stanley von "Kiss" weilt gerade in Wien, um einem schwer kranken Freund beizustehen - doch er wird Teil der Lösung. Denn nach dem ausgiebigen Baden in Schreckensbildern und dem Kontrast zur Coolness des modebewussten Mods im Zentrum des Geschehens wandelt sich der Roman zum Corona-Krimi, der mit dem Einfliegen der bipolaren CIA-Agentin Tracy Contact immer stärker nach den bewährten Plots von James Bond Filmen funktioniert, gleichzeitig aber als Parodie auf einschlägige Endzeit-Thriller gelesen werden kann.
Christopher Just macht sich den Spaß, mit dem Entsetzen Scherz zu treiben: Als "das Böse" dient die Sekte der "Apokalyptischen Annieser", deren Oberbösewichter namens Coronald Covidel und Pan d'Emie mittels einer "Superspreader"-Maschine das Virus flächendeckend über die Welt verteilen wollen. Die Sektenmitglieder sind nämlich dank des Superstoffes "Lotion9" dagegen immun. Doch auch die Anti-Corona-Eingreiftruppe rund um den Moddetektiv und die CIA-Agentin hat bereits an Lotion9 geschnuppert und wissen Bescheid. In einem hollywoodesken Showdown erhält der Superspreader in letzter Sekunde Lotion9 in den Tank geschüttet, weshalb er nicht Tod und Verderben, sondern Rettung und Genesung über die Menschheit bringt.
Und so bekommt vorerst wenigstens im Roman die zweite Corona-Welle ein Happy End. Wobei der Moddetektiv freilich am Ende noch den Moralischen kriegt und in die Schlussapotheose etwas zu bedenken gibt: "'Der größte Feind des Menschen ist nicht die Seuche, sondern -', sein Gesicht wurde grau, grimmig und beängstigend, ' - das ist er selbst.'"

APA, Wolfgang Huber-Lang, November 2020


Es war zu hoffen, dass Corona in der künstlerischen Auseinandersetzung allein bei ohnehin
schon unlustigen deutschen Comedians Einzug findet, doch die Pandemie treibt ihre Stilblüten bereits bis in die Welt der Literatur hinein. Gottlob nähert sich Christopher Just mit seinem zwischen Infantilität, Torheit und Schläue changierenden sprachlichen Stilstudien atypisch der Misere und löst den ernsten Zeitgeist auf: Just war in den Neunzigern Grandseigneur der Wiener Elektronik, lange bevor auch nur irgendein Hahn nach den heutigen Koryphäen krähte.
Später postete er dann viel trashigen, dabei aber eminent äsopischen Scheiß auf Facebook. 2017 legte er schließlich seinen Debütroman vor, eine aberwitzige Tour de Force eines skurrilen (Mod)-Detektivs, der nicht nur ein trauriges Überbleibsel einer Subkultur war, sondern auch einen spektakulären Kriminalfall lösen musste. Nun, drei Jahre später, findet sich der Moddetektiv in der zweiten Welle von Corona wieder („Mircale Cure“ von The Who scheint vergessen), und diese hat die Welt noch stärker getroffen als die erste – die Menschheit auf die Hälfte reduziert und Plasma-Junkies zerfleischen auf der Suche nach Antikörpern Gesundete. Auch der Moddetektiv kränkelt, doch ist er unabdingbar, einer wahnwitzigen Sekte und ihrem Superspreader das Handwerk zu legen ...

Ticket – Das Eventmagazin, Stefan Baumgartner, November 2020


Bier töten Virus: Mit Humor durch die Krise

Die Pandemie hat längst die Buchwelt erreicht. Es gibt Corona-Literatur für Erstleser („Conni macht Mut in Zeiten von Corona“) und Investoren („Coronomics“). Der viertelwissenschaftliche Schmöker „Corona Fehlalarm?“ entwickelte sich gar zum Bestseller unter Freunden der freien Meinungsäußerung und anderen besorgten Bürgern.
Was noch fehlte, war ein Werk, das die komischen Aspekte der Krise herausarbeitet und ein befreiendes Lachen erlaubt. Hier schafft Christopher Just Abhilfe. Der als Techno-Produzent bekannt gewordene Wiener hat zuletzt auf Literatur umgesattelt. Seine Romane „Der Moddetektiv“ und „Catania Airport Club“ waren schwer einzuordnende Wundertüten zwischen infantilem Witz und höherem Unsinn, postmodernem Schabernack und Stilstudien.
Zum neuen Buch inspiriert wurde er durch die Corona-Erkrankung seines Bruders, der einige Zeit im Spital verbringen musste – nachdem ihm zunächst ein Test verwehrt wurde, hatte er sich doch weder in Italien noch in Tirol aufgehalten. Just verarbeitet das in absurden Telefonaten mit der 1450-Hotline. Denn – Schockschwerenot! – auch den treu der Subkultur um Parkas und Vespas anhängenden Moddetektiv hat Corona erwischt. Doch er ist der Einzige, der in Wien, über das eine gewaltige „Second Wave“ schwappt und wo schon Plasma-Junkies umgehen, eine große Sache aufdecken kann.
Just macht sich über das zeittypische Blabla lustig: „La peste war auch eine Chance (…), um die Augen retour auf das Wesentliche zu richten, sich wieder zu finden, und all das neu zu entdecken, was im Leben wirklich wichtig war.“ Der Alki-Vater des Helden ist derweil überzeugt: „BEER TOTEN ’HE FUCKIN VIRUS!“ Der neue Roman kommt geradliniger daher als die Vorgänger, doch nicht ohne lustvolle Abschweifungen aus. Ganz großes Tennis ist die Schilderung eines Beischlafs ex negativo: Er werde sich nicht dazu herablassen, eine Sexszene zu schreiben, wendet sich der Autor an seine Leser – um es unter diesem Vorzeichen gehörig krachen zu lassen.

FALTER 45/2020, Sebastian Fasthuber

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